Warum viele Wege nach Rom führen!

Jede Mama kommt wohl nach den ersten Monaten mit dem Thema Beikost in Berührung. 
Gefühlt wird häufig eine Wissenschaft daraus gemacht und zum Teil viel Unsicherheit ausgelöst was nun das “richtige” Vorgehen ist.
In diesem Artikel möchten wir eine kleine Übersicht zu dem Thema und den verschiedenen Herangehensweisen geben. Durch unseren Background als Sport- und Ernährungswissenschaftler kannten wir aus dem Studium bereits die offiziellen Empfehlungen, also das klassische Modell der Beikost mit Brei.
Durch persönliche Erfahrungen und Recherchen haben wir jedoch entdeckt, dass es noch ein paar weitere wirklich interessante Möglichkeiten gibt, die in keinerlei Widerspruch zueinander stehen sondern sich prima miteinander ergänzen.
Aber lest selbst… 

Wann ist es Zeit für Beikost? 

Es gibt einige Anzeichen von denen du bestimmt auch schon gelesen hast, die dir zeigen, dass dein Baby reif für Beikost ist. Vermutlich wirst du als Mama aber einfach eines Tages intuitiv wissen, dass es losgehen soll. Wichtig ist, dass der Start entspannt abläuft. Du und dein Baby solltet euch damit wohlfühlen und das Thema sollte keinen Stress erzeugen. 

Grundsätzlich wollen die meisten Babys zwischen dem 5.-7. Lebensmonat irgendwann “mehr”. Der passende Zeitpunkt ist jedoch sehr unterschiedlich und sollte individuell bestimmt werden. Achte auf dein Baby, was dir automatisch durch die Reifezeichen signalisiert, dass es losgehen kann. Mach dir keine Gedanken, wenn das erst nach dem 7. Monat stattfindet. Solange du voll stillst/die Flasche gibst, ist alles in Ordnung und dein Baby ist gut versorgt. 

 

Das Baby zeigt dir, dass es reif ist, wenn… 

  • es den Kopf eigenständig halten und mit Hilfe aufrecht sitzen kann
  • sich selbst Dinge in den Mund führen kann 
  • den Brei nicht mehr mit der Zunge direkt aus dem Mund heraus schiebt (Zungenstreckreflex)
  • den Mund öffnet, wenn der Löffel kommt
  • Interesse daran hat, was sich auf euren oder den Tellern der Geschwister befindet und vielleicht versucht danach zu greifen oder euch genau beim Essen beobachtet

Darüber hinaus ist zudem die eigene Bereitschaft, in erster Linie der Mutter wichtig. Nicht selten hat sich in dem Zeitraum das Stillen erst richtig harmonisch eingespielt, verläuft für alle Seiten entspannt und soll noch nicht gleich durch “etwas Neues” abgelöst werden. Viele Mütter sind erst etwas später bereit den nächsten Schritt zu gehen und ihrem Baby Beikost anzubieten. Wichtig ist jedoch die Bereitschaft BEIDER Seiten um eine gute vertrauensvolle Basis zu schaffen. Außerdem sollte das Kind gesund und entspannt sein. Steht aktuell ein großer Entwicklungsschritt an, ist das Baby damit meist schon genug beschäftigt und würde sich durch das Einführen der Beikost zu dem Zeitpunkt überfordert fühlen. Es ist immer wichtig, das Beikost nicht unter Druck und Stress eingeführt wird, damit langfristig eine gesunde und gute Beziehung zum und mit dem Essen aufgebaut werden kann.

Kleiner persönlicher Exkurs von Judith: 

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es auch sinnvoll sein kann nach dem “antesten” der ersten Male Brei/Beikost erst noch mal eine Pause einzulegen oder eine andere Sorte Brei zu testen, wenn der Brei z.B. noch nicht so gut vertragen wird, auch wenn schon alle Reifezeichen erfüllt sind.

Karotte kam bei uns zwar super an, wirkte aber stopfend und blähend, weshalb eine Pause und dann ein Neustart mit Pastinake der für uns beste Weg war. Außerdem habe ich rückwirkend betrachtet bei den ersten Mahlzeiten bereits zu große Mengen angeboten, da es dem Kleinen ja so gut geschmeckt hat. Der Darm kam mit diesem Mengen jedoch zu dem Zeitpunkt noch nicht zurecht.

Eine Pause einzulegen ist dabei in keinster Weise ein “Schritt zurück” sondern vielmehr eine rücksichtsvolle Weise voranzukommen.

Falls Ihr noch die passenden Löffel sucht die man auch wunderbar mitnehmen kann findet ihr hier* unseren Favoriten.

 

Klassische Beikost – schrittweise Einführung von Breien

Nach dem Modell der klassischen Brei-Beikost, beginnst du nach und nach verschiedene Breie in zunehmender Menge einzuführen. Da sich die Verdauung des Babys umstellen und an Nahrung gewöhnen muss braucht es in der Regel ein wenig Zeit, bis die Stillmahlzeiten vollständig durch Brei ersetzt werden. Auch nach zwei Monaten kann durchaus noch eine Mischung aus Brei und Stillen die Mahlzeit sein.

Gestartet wird üblicherweise also Mittags mit Gemüsepüree z.B. Karotte/Kürbis was dann im 2. Schritt mit Kartoffel ergänzt wird. Wenn das gut klappt und vertragen wird, so wird als 3. Schritt Fleisch zugegeben. Hintergrund für die Fleischzugabe ist der Eisengehalt. Ob das wirklich in dem Maße nötig ist wie es oft empfohlen wird, erfährst du bald in einem weiteren Artikel zu vegetarischer Beikost. Alle Zutaten der Beikost sollten Bio oder Demeterqualität haben, um eine Pestizidbelastung so gering wie möglich zu halten. Selbstgekochte Breie bieten etwas mehr Geschmacksvielfalt, doch es gibt durchaus auch gute Gläschen ohne zusätzlichen Schnickschnack.

Nach dem Mittagsbrei wird klassischerweise im nächsten Monat der Abendbrei eingeführt (Milch-Getreide-Brei), gefolgt vom Getreide-Obst-Brei am Nachmittag.

Also:

1. Brei: 1. Gemüse-(2. Kartoffel-3. Fleisch)
2. Brei: Milch-Getreide-Brei
3. Brei: Getreide-Obst-Brei

Während der kompletten Brei-Einführung sollte nach Bedarf weiter gestillt/die Flasche gegeben werden. Je größer die Breimahlzeiten werden, desto eher werden sie eine Milchmahlzeit vollständig ersetzen.

Vorteile

  • das Baby bekommt viele Nährstoffe wenn hochwertige Zutaten verwendet werden und diese schonend zubereitet werden
  • kann gut mitgenommen werden – wenn die Zeit knapp ist tut es auch mal ein gekauftes Gläschen
  • Baby kann Brei gut “essen”
Nachteile
  • oft kommt es zur Überfütterung, da der Brei kaum mit dem Kiefer “bearbeitet” werden muss und schnell herunter geschlungen werden kann. Anstatt “zu füttern”, denke eher an “anbieten” des Breies. Das Baby sollte selbstständig die Bereitschaft zeigen den Brei aufnehmen zu wollen (Mund öffnen) und Freude beim Essen zeigen.
  • Du kannst nicht so gut zeitgleich mit deinem Baby essen
  • das Baby kann nicht bestimmen, welche Lebensmittel es essen möchte
  • zu viele verschiedene Zutaten im Brei mindern das Geschmackserlebnis der einzelnen Lebensmittel

Persönliche Einschätzung: 

Für mich persönlich wirkt das empfohlene Schema recht starr. Es macht den Anschein, dass die Breie genau in der Reihenfolge eingeführt werden müssten. Sinnvoll ist sicher einzelne Breizutaten separat zu testen, doch meiner Erfahrung nach kann es auch mal Brei mit Obst am Vormittag und Gemüse am Abend sein. Jedes Baby ist hier jedoch unterschiedlich was es braucht und möchte. Für einige ist ein fester Rhythmus das Richtige, andere sind flexibler. Generell gilt: Wenn das Baby gerne Brei isst spricht nichts dagegen Brei anzubieten, ich würde für den Erlebnisfaktor jedoch immer zusätzlich “ganze” Lebensmittel zum Kennenlernen und Spielen anbieten, wie es beim Baby-led weaning praktiziert wird.

Baby – led weaning (kurz BLW = “babygesteuertes Abstillen”)

Hinter dem Begriff Baby-led weaning verbirgt sich das Prinzip dem Baby von Anfang an das Essen in kleinen handlichen Stücken vom Familientisch anzubieten. Die Lebensmittel für das Baby müssen jedoch ungewürzt und möglichst naturbelassen sein – versteht sich. Wir als Eltern sollten bei dieser Art darauf vertrauen, dass sich das Baby nimmt was es braucht und möchte.

Voraussetzung ist natürlich, dass der Familientisch gesund und ausgewogen ist. Für den ein oder anderen mag dies doch ein Anlass sein, die eigenen Ernährungsgewohnheiten mal zu optimieren ;-). Kritiker dieser Methode sind der Meinung, dass es hierbei zu Nährstoffmangel kommen kann (vor allem Eisen), was jedoch wie bei der Gabe von Brei ganz von der Wahl der angebotenen Lebensmittel abhängig ist.

Befürworter von BLW beziehen sich gerne auf eine Studie, welche einen Zusammenhang zwischen Baby led weaning und gesünderen Essgewohnheiten im späteren Leben sowie geringerem Risiko für Übergewicht herausgefunden hat. Voraussetzung ist natürlich, dass dein Baby Freude daran hat, die Lebensmittel kennenzulernen und diese zu entdecken und eigenständig zu essen.

Die meisten Babys können ca. ab dem 7. Lebensmonat mehr mit größeren Lebensmittel-Stückchen anfangen. Die wirkliche Nahrungsaufnahme steht gerade zu Beginn eher an zweiter Stelle und soll sich natürlicherweise von ganz allein über die Zeit einstellen.

Vorteile
  • Das Baby lernt von Anfang an die Lebensmittel als solche kennen, ihre Optik, ihre Haptik, kann darauf rumkauen und sie untersuchen
  • das Baby ist sehr selbstbestimmt in seiner Wahl der Lebensmittel und erfährt sich als kompetent 
  • Schulung der Hand-Augen-Koordination
  • Vorzüge und Abneigungen werden schnell erkannt 
  • kein zusätzlicher Aufwand. Wenn der Familientisch gesund ist bekommt das Baby einfach von den Speisen ab
  • gleichzeitiges Essen mit dem Baby möglich
  • gute Schulung des Sättigungsgefühl 
  • Umgang mit Speisen wird spielerisch erlernt 
Nachteile
  • Die Speisen dürfen nicht gesalzen oder gesüßt werden (nachwürzen nur am Tisch)
  • es kann passieren dass das Baby die Hälfte des Essens auf den Boden wirft – eine abwaschbare Unterlage kann sinnvoll sein 
  • Geduld ist gefragt, wenn das Baby mehr spielt als isst 
  • Richtig beißen kann das Baby erst wenn es Zähne hat 
  • ggf. hat das Baby Probleme selbst zu essen, wenn die Motorik noch nicht so weit entwickelt ist
  • es KANN zu geringerer Nährstoffaufnahme durch BLW kommen, doch meist wird der Bedarf mit Muttermilch ausgeglichen
  • wenn nur Gemüse angeboten wird erfährt das Baby nicht den Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme und Sättigung

Fazit

Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden hin oder her. In meinen Augen ist beim Thema Beikost genau das richtig, was funktioniert und Spaß macht. Wir haben uns für eine Mischform entschieden und bieten flexibel an was gerade passt. Oft gibt es Brei, aber auch mal Fingerfood. Fleisch gab es bisher nicht, jedoch reichlich eisenhaltiges Getreide wie Hafer- und Hirseflocken. Wichtig für die Aufnahme des Eisens auf pflanzlichen Quellen ist, dass es nicht zusammen mit Milchprodukten, dafür aber in Kombination mit Vitamin C gegeben wird, da so die Verfügbarkeit des Eisens wesentlich verbessert wird. 

Wir mischen auch mal Getreide in den Gemüsebrei für einen eisenreichen vegetarischen Mittagsbrei. 

Auch Lachs und Ei werden wir ab und zu in den Brei geben. Der Verzehr von fettem Seefisch wie Lachs wirkt sich aufgrund der enthaltenen Omega-3 Fettsäuren vermutlich positiv in der Allergieprävention aus. Generell macht es für Schwangere und Stillende Sinn, regelmäßig (1-2 Mal pro Woche) Fisch zu essen oder ein Omega-3 Präparat (Fischöl oder Mikroalge) einzunehmen, welches die Omega-3 Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) enthält, da diese für die Entwicklung des Fetus und später des Babys wichtig sind und über die Nabelschnur und Muttermilch übertragen werden können.

Ich persönlich fahre also eine Mischung aus Breikost und BLW was nach kleineren Startschwierigkeiten auch richtig gut klappt. 

Gleichzeitig probiere ich ihm in der Küche zu erklären was ich da treibe, ihn beim Kochen dabei zu haben damit ebenso der Geruchssinn angesprochen wird und ihm zwischendurch immer alles an Lebensmitteln zu zeigen und anfassen zu lassen.

Teile uns gerne deine Erfahrungen mit der Beikost-Einführung =)

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